Fab City
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Vision 2054
In Zukunft zirkulär

Vision 2054

Mehrere globale Trends prägen die Gegenwart: der Klimawandel, eine nicht abreißende Ressourcen-Verschwendung, globale Lieferketten, eine weltumspannende Digitalisierung sowie eine massive Veränderung der Arbeitswelt. Diese Trends verstärken sich gegenseitig, und die Corona-Pandemie hat sie seit 2020 noch einmal zugespitzt. Das wird etwa an kritischen Lieferengpässen deutlich. Zugleich zieht es weltweit immer mehr Menschen in die Städte, weil hier die Aussichten, einen Job zu finden, besser sind als in ländlichen Regionen.

Wo geht’s hin?

Die Ausgangssituation

Derzeit leben bereits 50 Prozent der Weltbevölkerung in Städten, 2050 könnten es nach Prognosen von UN Habitat bereits 70 Prozent sein.

Städte oder verstädterte Regionen wirtschaften bislang aber nicht nachhaltig: Sie verursachen 70 Prozent aller Treibhausgas-Emissionen und verbrauchen enorme Ressourcen. Sie sind die Knotenpunkte eines globalisierten Konsums und weltweiter Datenströme, die immer mehr Energie verschlingen.

Megacity

Darin liegt allerdings auch eine Chance: Denn während die internationale Staatengemeinschaft in der Umwelt- und Klimadiplomatie nur schleppende Fortschritte erzielt, lassen sich in Städten die Weichen für eine nachhaltige Zukunft deutlich leichter stellen. Mehr noch: Städte und städtische Regionen sind die Orte, an denen weltweit bereits Alternativen zur bisherigen Art der Globalisierung mit all ihren bekannten Problemen erprobt und bereits gelebt werden. Genau hier setzt also das Konzept der Fab City an. Als Katalysatoren können wir die Wirkung von Städten in wirtschaftlichen, soziokulturellen und ökologischen Dimensionen erheblich beschleunigen und steigern. Wir befördern so eine nachhaltige Entwicklung, die das Leben in den Städten lebenswert macht.

Das Konzept der Fab City

Vereinfacht gesagt, ist eine Fab City eine Stadt, die (fast) alles, was sie benötigt und verbraucht, zunehmend selbst herstellt. Fernziel der globalen Fab-City-Initiative ist, bis 2054 den Übergang zu einer open source-basierten Circular Economy (Kreislaufwirtschaft) auf dem Gebiet einer Stadt oder Region zu schaffen. Es würden dann nur noch Datensätze importiert und exportiert – Energie, Rohstoffe, Materialien, Halbzeuge und Produkte hingegen würden im Stadtgebiet selbst zirkulieren, wiederverwertet und neu zusammengesetzt werden. Die Wirtschaft geht also vom heutigen PITO-Modell, für „Products In – Trash Out“ (Produkte importieren, Müll exportieren), zum DIDO-Modell, für „Data In – Data Out“ (Daten importieren, Daten exportieren), über.

PitoDido

Das wäre erstens ökologisch nachhaltig, weil die Stadt ihren Ressourcenverbrauch und Treibhausgas-Ausstoß besser selbst steuern kann.

Es wäre zweitens wirtschaftlich nachhaltig, weil sie lokale Wertschöpfung fördert und nicht mehr von globalen Lieferketten für Produkte und Rohstoffe abhängig ist. Die kommen, das zeigen die letzten Jahre, bei globalen Verwerfungen wie Pandemie, Krieg oder Handelskrieg schnell ins Stocken.

Und es wäre drittens sozial nachhaltig, weil die Stadtbewohner:innen nicht mehr zuerst Konsument:innen andernorts produzierter Dinge sind, sondern näher an der Wertschöpfung stehen – was wiederum den sozialen Zusammenhalt der Stadt stärken kann. Mehr noch, die Kreativität und Selbstwirksamkeit einer gesamten Stadtgesellschaft kann sich in einem bisher nicht gekannten Maße entfalten.

Fabn City Pledge 2019

Dass die Fab City keine reine Utopie ist, liegt an mehreren Entwicklungen. Es ist immer mehr offene Technologie in Form von offen lizenzierter Hardware und Software verfügbar. Offen bedeutet in diesem Kontext, dass die Dokumentation zu Design- und Konstruktionsplänen sowie Softwarecode für alle frei zugänglich und nutzbar sind. Diese Offenheit senkt zunehmend die Anschaffungskosten für Produktionsmittel, erleichtert Reparaturen und Recycling, und immer mehr Menschen und Organisationen können sich wichtiges technisches Know-how aneignen. Die Digitalisierung und Vernetzung von Fertigungsinfrastruktur ermöglicht wiederum, Dinge nicht mehr an wenigen Orten in Massenproduktion, sondern verteilt und dezentral nach lokalen Bedürfnissen herzustellen. Die relevanten Datensätze für die Herstellung lassen sich global austauschen und an die lokalen Bedürfnisse anpassen. Mit Maker Spaces, Fab Labs und Open Labs sind in den vergangenen Jahren erste Prototypen für lokale Produktionsorte entstanden, an denen sich viele Akteur:innen an der Herstellung von Gütern beteiligen können. Diese offenen Produktionsorte können zusammen mit Handwerk und Unternehmen zu einer neuen, dezentralen Infrastruktur im gesamten Stadtgebiet weiterentwickelt werden.

Nächste Schritte bis 2027

Der Fab City Hamburg e.V. will möglichst viele für das Konzept relevante Akteur:innen vernetzen und erste Grundlagen für eine künftige Fab City schaffen. Hierfür treibt er folgende Maßnahmen voran:

Aktive Werbung für das Fab City-Konzept. Fab City Hamburg e.V. zeigt den Hamburger:innen auf Veranstaltungen und Workshops, wie das Konzept eine dringend nötige sozial-ökologische Transformation anstoßen kann und wie sie dabei aktiv, hands-on mitmachen können.

Förderung von innovativen und kreislauffähigen Produkten. Über Maker Slams und Maker Challenges werden Maker:innen, Erfinder:innen und Produktdesigner:innen ermutigt, ihre Ideen vorzustellen. Die Fab City-Community hilft bei der Umsetzung von Prototypen.

Unterstützung und Weiterentwicklung von Fab Labs/Makerspaces. Zu Fab City Hamburg e.V. gehört bereits ein Netzwerk von rund 15 offenen Werkstätten. Sie sind die Schnittstelle zur Zivilgesellschaft, vermitteln niederschwellig Know-how für eine digitale Fertigung (etwa über Workshops) und bieten Erfinder:innen die Möglichkeit, erste Prototypen einer potenziellen Innovation herzustellen. Sie sind zugleich Weiterbildungsorte für Citizen Education und Labore für eine Citizen Innovation. Zudem sind sie Treffpunkte für Communities in den Stadtteilen und haben eine Strahlkraft in ihre Viertel, sodass sie sich langfristig zu ”Orten des gemeinsamen Machens und Wirkens” entwickeln.

Unterstützung von Schulen und Bildungsträgern. Die Schüler:innen von heute sind die Fab Citizens von morgen. Umso wichtiger, dass sie bereits jetzt praktisches Knowhow zu digitaler Fertigung, Reparaturen und Recycling bekommen. Fab City Hamburg trägt dazu mit Projekten wie Make Your School bei.

Aufbau einer Workshop-Plattform für die Stadt. Ziel ist, mehr und mehr Hamburger:innen schnell an die Möglichkeiten der digitalen Fertigung heranzuführen. Diese Workshops werden überwiegend in den Labs veranstaltet. Sie richten sich an Anfänger:innen, fortgeschrittene Maker:innen und Unternehmen. Der Fab City Hamburg e.V. selbst organisiert die Workshops, etwa zum Bau des Open Lab Starter Kits oder zu neuen Produktdesigns.

Aufbau einer Online-Karte für Reparatur-Dienste in Hamburg. Was etwa in Berlin und Wien bereits existiert, soll auch für die Hamburger:innen kommen: eine Online-Karte, auf der man schnell und einfach den richtigen Betrieb finden kann, um Handys, Schuhe, Möbel und zahlreiche andere Alltagsgegenstände zuverlässig und mit Qualität reparieren zu lassen.

Aufbau einer Datenbank von Produkten “Made in… Hamburg”. In einem gemeinsamen Forschungsprojekt mit der Helmut-Schmidt-Universität dokumentiert Fab City Hamburg e.V. Produkte, die bereits jetzt in der Hansestadt hergestellt werden. Damit lässt sich herausfinden, in welchen Branchen die Stadt bereits gut aufgestellt ist, und für welche Anreize geschaffen werden müssen, die lokale Produktion auszuweiten.

Unterstützung bei der Weiterentwicklung des Betriebssystems für die globale Fab City-Initiative „Fab City OS”. Fab City OS (FCOS) umfasst Software, die das Fab City-Produktionssystem, der Open Source Kreislaufwirtschaft (OSK), so effizient machen soll, dass sie langfristig die bisherige Art von Produktion und Konsum ersetzt. Mit dem Fab City OS sollen Produktentwickler:innen in die Lage versetzt werden, ihre Designs unkompliziert im globalen Netzwerk der Fab Cities/Regions anzubieten. Umgekehrt sollen die Verbraucher:innen die Möglichkeit haben, Dinge selbst herzustellen, indem sie die Konstruktionsdaten herunterladen, oder einen lokalen Betrieb mit der Herstellung zu beauftragen. Eine Beta-Version von FCOS betreibt die Dyne Foundation.

3D printer build workshop

Werte und Leitlinien

  • Open-Source-Prinzip: Wo immer es möglich ist, setzen wir offene Technologien ein, die Codes und Konstruktionen frei zugänglich machen.

  • Datensouveränität: Daten sind Commons, also Allgemeingut.

  • Transparenz: Produktions- und Recycling-Prozesse werden so dokumentiert, dass alle Bürger:innen diese nachvollziehen können.

  • Inklusion: Die Orte und die Prozesse der Fab City sind offen für alle, ungeachtet ihres sozialen Status oder ihrer Herkunft; mehr noch, wir setzen uns dafür ein, dass alle Bürger:innen sich das für die Fab City nötige Knowhow aneignen können.

  • Nachhaltige Entwicklung: Darüber hinaus orientiert sich Fab City Hamburg e.V. auch an den Zielen für eine Nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen.

Hamburg, im Februar 2025