Circular statt Fast Furniture – wir müssen Möbeln ein zweites Leben geben. 🪑🔄
Was passiert, wenn vier Perspektiven aufeinandertreffen, die an ganz unterschiedlichen Stellen des Möbelkreislaufs ansetzen?
Beim Circular Talk „Circular statt Fast Furniture“ wurde schnell klar: Die Lösungen sind da – und sie sind vielfältig.
Christian de Kraker von Auping zeigte, wie konsequentes Circular Design bereits heute funktioniert: Auping verfolgt das Ziel, bis 2030 vollständig zirkulär zu werden. Bei den zirkulären Matratzen werden Materialien so eingesetzt, dass die einzelnen Fasern nach der Nutzung wiederverwendet werden können – bis zu achtmal. Produktpass, trennbare Materialien und der Verzicht auf Klebstoff und Schaumstoff gehören dabei zum Konzept.
Ulrike Acker-Thomsen von CIRC&LOV brachte die Perspektive aus Interior und Design ein: Gebrauchte Möbel müssen nicht entsorgt werden. Sie können kreativ transformiert und nachweisbar zirkulär in neue Projekte integriert werden. Ihr Ansatz verbindet Bestandsaufnahme, Potentialanalyse, kreativen Prozess, Prototyping und Impact-Berechnung.
Jan-Christoph Ziolek von Rent.Group machte deutlich, wie sehr sich dabei auch unser Verhältnis zum Möbel verändern kann: Nutzen statt Besitzen. Mit einem gemeinsamen Sharing Pool aus mehr als 7 Millionen Artikeln und über 30 Standorten wird aus dem Produkt eine Ressource, die möglichst lange und möglichst intensiv genutzt werden soll.
Und Michael Fehsenfeld von Sedus zeigte mit S:ircle, wie ein etablierter Möbelhersteller Zirkularität als ganzheitliches Geschäftsmodell denkt: Mieten, Gebrauchtkauf, Rücknahme und Aufbereitung werden zu einem System verbunden. Der Wechsel vom Besitz hin zur Nutzung schafft dabei wirtschaftliche, operative und ökologische Mehrwerte.
Was alle vier Perspektiven verbindet?
Wir brauchen einen Kulturwandel.
Denn zirkuläre Möbel funktionieren nur dann im großen Maßstab, wenn sich auch unsere Vorstellung von Wertigkeit verändert.
Ein Möbelstück mit Gebrauchsspuren ist nicht automatisch weniger wert.
Ein aufgearbeitetes Möbel ist kein „Möbel zweiter Klasse“.
Und ein Produkt muss nicht neu sein, um relevant zu sein.
Wie es Rent.Group treffend formuliert: „Produkte müssen nicht neu sein. Sie müssen relevant bleiben.“
Dafür braucht es Regulatorik, die zirkuläre Geschäftsmodelle und Hersteller stärker in die Verantwortung nimmt. Und es braucht eine kontinuierlich andere Sprache, die den Wert von Reparatur, Wiederverwendung, Aufbereitung und Second Life sichtbar macht – gegenüber B2B ebenso wie gegenüber B2C.
Denn diesen Weg schaffen wir nicht alleine.
Wir brauchen Hersteller, Händler, Designer, Planer, Unternehmen, Kund, Politik und die vielen Akteur dazwischen, die neue Kreisläufe möglich machen.
Genau deshalb sind Räume wie unser Circular Talk so wichtig: um unterschiedliche Perspektiven zusammenzubringen, voneinander zu lernen und aus einzelnen Lösungen einen gemeinsamen Wandel zu machen.
Danke an unsere vier großartigen Panelgäste Christian de Kraker, Ulrike Acker-Thomsen, Jan-Christoph Ziolek und Michael Fehsenfeld für die vielen Impulse – und an alle, die mitdiskutiert, nachgefragt und den Abend mitgestaltet haben. 🙌
Circular statt Fast Furniture.
Nicht irgendwann. Sondern jetzt.
Fotos: Thies Ibold